Ausbildung als Prämonstratenser-Priester (m/w/d): Aufgaben, Voraussetzungen und Karriere

Die Ausbildung zum Prämonstratenser-Priester (m/w/d) ist kein staatlich geregelter dualer Ausbildungsberuf wie beispielsweise eine Ausbildung in einem Handwerks- oder Industrieberuf. Vielmehr handelt es sich um einen geistlichen Ausbildungs- und Berufungsweg innerhalb des Prämonstratenserordens. Der Weg verbindet das Leben in einer Ordensgemeinschaft mit einer theologischen Ausbildung und der Vorbereitung auf den priesterlichen Dienst.

Prämonstratenser sind Chorherren beziehungsweise Regularkanoniker und keine Mönchsgemeinschaft im engeren Sinn. Ein Schwerpunkt des Ordens liegt traditionell auf Gemeinschaft und Seelsorge. Prämonstratenser-Priester können beispielsweise in der Pfarrseelsorge, im Religionsunterricht, in der Jugendarbeit, in der Erwachsenenbildung oder in weiteren pastoralen Aufgaben tätig sein.

Der Ausbildungsweg unterscheidet sich damit deutlich von einer klassischen Ausbildung mit Berufsschule, Ausbildungsvergütung und Abschlussprüfung. Am Beispiel des Prämonstratenser-Klosters Roggenburg lässt sich der Weg vom Kennenlernen der Gemeinschaft über Noviziat und zeitliche Profess bis zur ewigen Profess und der weiteren Vorbereitung auf die Priesterweihe nachvollziehen.

Berufsbild: Was macht man als Prämonstratenser-Priester (m/w/d)?

Prämonstratenser-Priester verbinden das Leben in einer Ordensgemeinschaft mit dem priesterlichen und seelsorglichen Dienst. Der konkrete Arbeitsalltag hängt davon ab, in welcher Gemeinschaft und in welchem pastoralen Aufgabenbereich ein Ordenspriester eingesetzt wird.

Eine zentrale Aufgabe ist die Seelsorge. Dazu gehören beispielsweise Gottesdienste, die Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen, die Vorbereitung und Durchführung kirchlicher Feiern sowie die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Prämonstratenser können außerdem in der Bildungsarbeit, Kirchenmusik oder in speziellen seelsorglichen Aufgabenfeldern tätig sein.

Das Ordensleben ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Berufsbildes. Gemeinsames Gebet, geistliche Übungen, gemeinschaftliches Leben und die Übernahme von Aufgaben innerhalb des Klosters gehören zum Alltag. In Roggenburg werden beispielsweise Pfarrseelsorge, Jugendarbeit, Religionsunterricht, Kirchenmusik sowie Ehe- und Familienseelsorge als Aufgabenfelder genannt.

Typische Aufgaben

  • Gottesdienste und liturgische Feiern vorbereiten und durchführen
  • Menschen seelsorglich begleiten und beraten
  • Gemeindemitglieder in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten
  • Predigten und Ansprachen vorbereiten
  • Sakramente im Rahmen des priesterlichen Dienstes spenden
  • Taufen, Trauungen und Beerdigungen begleiten und gestalten
  • Religionsunterricht erteilen
  • Kinder und Jugendliche in ihrer religiösen Entwicklung begleiten
  • in der kirchlichen Erwachsenenbildung mitwirken
  • bei Angeboten der Ehe-, Familien- und Lebensseelsorge mitarbeiten
  • pfarrliche Veranstaltungen und Angebote organisieren
  • mit haupt- und ehrenamtlich tätigen Menschen zusammenarbeiten
  • an gemeinschaftlichen Aufgaben des Klosters mitwirken
  • am gemeinsamen Chorgebet und am geistlichen Leben der Gemeinschaft teilnehmen
  • die Spiritualität und Tradition des Prämonstratenserordens weitertragen

Arbeitsorte und Tätigkeitsbereiche

  • Prämonstratenserklöster und Kanonien
  • Pfarrgemeinden und Pfarreiengemeinschaften
  • Kirchen und Wallfahrtsorte
  • kirchliche Bildungsstätten
  • Einrichtungen der Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Bereiche der Ehe-, Familien- und Lebensseelsorge
  • Schulen und Einrichtungen des Religionsunterrichts
  • kirchenmusikalische Einrichtungen
  • weitere pastorale Einrichtungen und kirchliche Arbeitsfelder

Der Begriff Arbeitsort ist bei diesem Berufsbild allerdings nur eingeschränkt mit einem klassischen Arbeitsplatz vergleichbar. Das Leben in der Ordensgemeinschaft ist ein wesentlicher Bestandteil des Weges. In Deutschland gibt es beispielsweise Prämonstratenser in der Abtei Windberg und im davon abhängigen Priorat Roggenburg.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Die Voraussetzungen für den Weg zum Prämonstratenser-Priester unterscheiden sich grundlegend von den Zugangsvoraussetzungen einer staatlich geregelten Berufsausbildung. Es gibt keinen bundesweit einheitlichen Ausbildungsabschluss und keine gesetzlich vorgeschriebene Berufsschulregelung. Entscheidend ist vielmehr die persönliche Berufung zum Ordensleben und zum priesterlichen Dienst.

Das Prämonstratenser-Kloster Roggenburg lädt junge Männer ab 16 Jahren dazu ein, sich mit der Frage nach einem Leben in der Ordensgemeinschaft auseinanderzusetzen. Vor einer Aufnahme steht eine Phase der persönlichen Klärung. Dazu können Besuche im Kloster und ein längeres Mitleben in der Gemeinschaft gehören.

Für die Aufnahme müssen Interessierte bereit sein, das gemeinschaftliche Leben nach den Evangelischen Räten und dem Vorbild der Apostel zu führen. Hinzu kommen die üblichen Voraussetzungen, die für den priesterlichen Dienst gelten. Welche konkreten schulischen und persönlichen Anforderungen erfüllt werden müssen, wird individuell mit der Ordensgemeinschaft und den zuständigen kirchlichen Verantwortlichen geklärt.

Wichtige Fähigkeiten und Interessen

  • Interesse am christlichen Glauben: Glaube und Spiritualität bilden die Grundlage des gesamten Ausbildungs- und Lebensweges.
  • Bereitschaft zum Gemeinschaftsleben: Das Leben mit den Mitbrüdern ist ein zentraler Bestandteil des Ordens.
  • Reflexionsfähigkeit: Die eigene Berufung wird über längere Zeit geprüft und weiterentwickelt.
  • Kommunikationsfähigkeit: Seelsorge und Bildungsarbeit erfordern einen guten Umgang mit unterschiedlichen Menschen.
  • Empathie: Priester begleiten Menschen in freudigen, schwierigen und belastenden Lebenssituationen.
  • Verantwortungsbewusstsein: Seelsorgliche und pastorale Aufgaben verlangen Zuverlässigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Menschen.
  • Lernbereitschaft: Theologie, Philosophie, Bibelkunde und weitere Fachgebiete sind Teil der Ausbildung.
  • Belastbarkeit: Seelsorge kann emotional anspruchsvoll sein und unterschiedliche Arbeitszeiten erfordern.
  • Bereitschaft zur persönlichen Entwicklung: Das Ordensleben umfasst Gebet, geistliche Begleitung und kontinuierliche Auseinandersetzung mit der eigenen Berufung.

Hilfreiche Schulfächer

  • Religion: für die Auseinandersetzung mit christlicher Theologie, Bibel und Glaubenspraxis
  • Deutsch: für Predigten, Gespräche, schriftliche Arbeiten und die Kommunikation mit Gemeindemitgliedern
  • Geschichte: für das Verständnis der Entwicklung von Kirche, Christentum und Gesellschaft
  • Philosophie beziehungsweise Ethik: für die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des Menschen, der Moral und des Glaubens
  • Sozialkunde: für das Verständnis gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge
  • Latein und weitere Sprachen: können je nach theologischer Ausbildung und Studienweg hilfreich sein

Ausbildungsinfos

Die Ausbildung Prämonstratenser-Priester (m/w/d) folgt keinem einheitlichen dreijährigen Ausbildungsmodell. Sie besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Phasen. Dazu gehören die persönliche Berufungsklärung, die Aufnahme in die Ordensgemeinschaft, das Noviziat, die zeitliche Profess, die weitere Ausbildung und schließlich bei einer entsprechenden Berufung die ewige Profess und die Vorbereitung auf die Priesterweihe.

Die einzelnen Phasen dienen nicht nur dem Erwerb von Fachwissen. Ebenso wichtig sind die persönliche Reifung, die Prüfung der eigenen Berufung und das Hineinwachsen in das gemeinschaftliche Leben. Der Weg kann deshalb mehrere Jahre dauern und ist nicht mit einem festen Ausbildungszeitraum wie bei einem dualen Ausbildungsberuf vergleichbar.

Dauer und Ablauf der Ausbildung

Am Anfang steht eine Phase der Berufungsklärung. Interessierte können die Gemeinschaft kennenlernen und für eine gewisse Zeit im Kloster mitleben. Dadurch erhalten beide Seiten die Möglichkeit zu prüfen, ob das Leben in der Gemeinschaft und die persönliche Berufung zusammenpassen.

Nach einer möglichen Aufnahme beginnt mit der Einkleidung das Noviziat. Im Prämonstratenserkloster Roggenburg dauert das Noviziat in der Regel zwei Jahre. Im ersten Jahr steht insbesondere das Kennenlernen des Klosteralltags und der Gemeinschaft im Mittelpunkt. Der Novize übernimmt Aufgaben im Haus, nimmt am gemeinschaftlichen Gebet teil und erhält Unterricht über die Spiritualität, Geschichte und Lebensweise des Ordens.

Im zweiten Noviziatsjahr kann das Theologiestudium beginnen. Je nach Vorbildung und persönlichem Weg sind auch eine berufliche Weiterbildung oder ein beruflicher Einsatz möglich. Während des Studiums kann der Novize in einem Priesterseminar oder einer geistlichen Gemeinschaft am Studienort leben.

Auf das Noviziat folgt das Juniorat beziehungsweise die Zeit der zeitlichen Profess. Dabei bindet sich der Mitbruder zunächst für einen begrenzten Zeitraum an die Gemeinschaft und lebt nach den entsprechenden Ordensgelübden. Diese Phase dient der weiteren Ausbildung und der endgültigen Klärung der persönlichen Berufung.

Mit der ewigen Profess wird der Professe vollwertiges Mitglied der Kanonie. Für Kandidaten, die zum priesterlichen Dienst berufen sind, folgt anschließend die weitere Ausbildung und Vorbereitung auf das Weihesakrament. Dazu gehört ein Pastoralkurs, der auf den Einsatz in der Seelsorge vorbereitet.

Was lernt man in der Ausbildung?

  • Grundlagen der christlichen Spiritualität
  • Bibelkunde und Auslegung biblischer Texte
  • Grundlagen der katholischen Theologie
  • Kirchengeschichte und Ordensgeschichte
  • Philosophie und Ethik
  • Liturgiewissenschaft und Gottesdienstgestaltung
  • Grundlagen der Seelsorge und Pastoral
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • religiöse Bildung und Katechese
  • Kenntnisse über die Spiritualität des heiligen Norbert und des Prämonstratenserordens
  • gemeinschaftliches Gebet und geistliche Übungen
  • praktische Erfahrungen in Pfarreien und weiteren pastoralen Bereichen
  • pädagogische Grundlagen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Vorbereitung auf den priesterlichen und pastoralen Dienst
  • Organisation und Mitwirkung bei Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft

Gehalt in der Ausbildung und danach

Ein klassisches Gehalt für Prämonstratenser-Priester (m/w/d) beziehungsweise eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht in der Form, wie sie aus dualen Ausbildungsberufen bekannt ist. Der Weg zum Prämonstratenser-Priester ist ein kirchlicher Ordens- und Ausbildungsweg und kein staatlich geregeltes Beschäftigungsverhältnis mit einer gesetzlich festgelegten Ausbildungsvergütung.

Während der Ausbildungsphasen leben die Kandidaten in der Ordensgemeinschaft beziehungsweise an den jeweiligen Studienorten. Unterkunft, Verpflegung und weitere Lebenshaltungskosten können entsprechend der Regelungen der jeweiligen Gemeinschaft übernommen oder organisiert werden. Die konkrete finanzielle Ausgestaltung ist von der Ordensgemeinschaft und der jeweiligen Ausbildungsphase abhängig.

Ausbildungsvergütung

Ausbildungsphase Finanzielle Regelung
Berufungsklärung Keine klassische Ausbildungsvergütung; individuelle Regelungen mit der Ordensgemeinschaft
Noviziat Keine staatlich geregelte Ausbildungsvergütung; Leben in der Ordensgemeinschaft
Juniorat und zeitliche Profess Keine klassische Ausbildungsvergütung; Versorgung und Lebensunterhalt nach den Regelungen der Gemeinschaft
Theologiestudium und weitere Ausbildung Finanzierung abhängig von Ordensgemeinschaft, Studienort und Ausbildungsweg

Nach der Priesterweihe ist die finanzielle Situation ebenfalls nicht mit einem normalen Arbeitsverhältnis gleichzusetzen. Ordenspriester leben entsprechend ihrer Ordensgemeinschaft und deren Regeln. Deshalb lässt sich kein allgemeines Einstiegsgehalt für Prämonstratenser-Priester nennen. Entscheidend sind die Regelungen des jeweiligen Ordens und gegebenenfalls die kirchliche Einrichtung, in der ein Priester eingesetzt wird.

Karriere und Zukunft

Der Begriff Karriere hat bei einem Prämonstratenser-Priester eine andere Bedeutung als in vielen weltlichen Berufen. Im Vordergrund stehen nicht Einkommen, hierarchischer Aufstieg oder berufliche Selbstverwirklichung, sondern die Verbindung von geistlichem Leben, Gemeinschaft und Dienst an anderen Menschen.

Nach der Priesterweihe können Prämonstratenser unterschiedliche pastorale Aufgaben übernehmen. Der Orden ist traditionell besonders mit der Pfarrseelsorge verbunden. Gleichzeitig können sich Tätigkeiten in Bildung, Jugendpastoral, Kirchenmusik, Familienseelsorge oder anderen Bereichen entwickeln.

Die konkreten Einsatzmöglichkeiten hängen von der jeweiligen Ordensgemeinschaft, den persönlichen Fähigkeiten und der jeweiligen kirchlichen Situation ab. Auch wissenschaftliche oder bildungsbezogene Tätigkeiten können zum Aufgabenfeld gehören.

Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Vertiefung theologischer Fachgebiete
  • Weiterbildungen im Bereich Seelsorge und Pastoral
  • Spezialisierung auf Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Fortbildungen in Ehe-, Familien- und Lebensseelsorge
  • Weiterbildungen für Religionsunterricht und Katechese
  • Vertiefung in Liturgie und Kirchenmusik
  • wissenschaftliche Spezialisierung und weiterführende theologische Studien
  • Weiterbildungen in Gesprächsführung und geistlicher Begleitung

Darüber hinaus können Prämonstratenser entsprechend ihrer Begabungen und der Aufgaben des Ordens unterschiedliche Verantwortungsbereiche übernehmen. Möglich sind beispielsweise Aufgaben in der Pfarrleitung, Bildungsarbeit, Ordensverwaltung oder geistlichen Begleitung.

Passt der Beruf zu dir?

Die Ausbildung zum Prämonstratenser-Priester (m/w/d) ist nur dann passend, wenn eine ernsthafte persönliche Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben, dem Ordensleben und dem priesterlichen Dienst vorhanden ist. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Berufsausbildung, bei der lediglich ein Ausbildungsplatz gesucht und nach drei Jahren ein Berufsabschluss erworben wird.

Interessierte sollten bereit sein, ihr Leben langfristig auf eine Ordensgemeinschaft auszurichten. Dazu gehören gemeinschaftliches Leben, Gebet, geistliche Entwicklung und die Bereitschaft, sich über längere Zeit mit der eigenen Berufung auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig bietet der Weg vielfältige Möglichkeiten, mit Menschen zu arbeiten und gesellschaftlich beziehungsweise kirchlich Verantwortung zu übernehmen. Wer sich für Theologie, Seelsorge, Bildung und Gemeinschaft interessiert und eine persönliche Berufung zum geistlichen Leben verspürt, kann sich zunächst unverbindlich mit einer Prämonstratensergemeinschaft in Verbindung setzen und das Ordensleben kennenlernen.

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