Ausbildung als Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d): Aufgaben, Gehalt und Karriere

Die Ausbildung als Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d) ist eine besondere Form der Kinderpflegeausbildung in Bayern. KiPrax steht für Kinderpflegeausbildung mit erhöhtem Praxisanteil. Der Schulversuch verbindet den Unterricht an einer Berufsfachschule mit einer stärker integrierten praktischen Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung. Ziel ist es, angehende Kinderpfleger:innen früher und intensiver auf den Berufsalltag mit Kindern vorzubereiten.

Im Unterschied zur klassischen vollschulischen Kinderpflegeausbildung erhalten Teilnehmer:innen bei KiPrax für den integrierten Praxisanteil eine Vergütung durch den Träger der sozialpädagogischen Einrichtung. Die Ausbildung dauert in Vollzeit zwei Schuljahre. Sie führt zum staatlichen Berufsabschluss als staatlich geprüfte Kinderpflegerin bzw. staatlich geprüfter Kinderpfleger.

Der Schulversuch läuft in Bayern seit dem Schuljahr 2025/2026 und soll zunächst bis zum 31. Juli 2030 erprobt werden. Der Einstieg in den Schulversuch ist nach der aktuellen Regelung letztmalig zum Schuljahr 2030/2031 möglich. KiPrax ist damit keine klassische duale Berufsausbildung und auch kein duales Studium, sondern eine praxisintegrierte schulische Ausbildung.

Berufsbild: Was macht man als Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d)?

Kinderpfleger:innen arbeiten mit Kindern vom Säuglingsalter bis ins frühe Schulalter. Sie unterstützen pädagogische Fachkräfte bei der Betreuung, Bildung, Erziehung und Versorgung von Kindern. Im Mittelpunkt steht die altersgerechte Begleitung der Kinder im Alltag und bei Bildungsangeboten.

Während der KiPrax-Ausbildung werden die schulischen Lerninhalte unmittelbar mit Erfahrungen in einer sozialpädagogischen Einrichtung verbunden. Die Auszubildenden beobachten zunächst pädagogische Abläufe, übernehmen anschließend unter Anleitung eigene Aufgaben und lernen zunehmend, Bildungs- und Beschäftigungsangebote mitzugestalten.

Zum Berufsalltag gehören beispielsweise gemeinsame Spiele, kreative Aktivitäten, Bewegungsangebote, Unterstützung bei Mahlzeiten und die Begleitung von Kindern in Alltagssituationen. Auch pflegerische und hauswirtschaftliche Tätigkeiten können zum Aufgabenbereich gehören. Dabei arbeiten Kinderpfleger:innen eng mit Erzieher:innen und weiteren pädagogischen Mitarbeiter:innen zusammen.

Typische Aufgaben

  • Betreuung von Kindern im Säuglings-, Kindergarten- und frühen Schulalter
  • Unterstützung bei der Bildung und Erziehung der Kinder
  • Begleitung von Spiel-, Bewegungs- und Kreativangeboten
  • Mitwirkung bei pädagogischen Projekten und Aktivitäten
  • Unterstützung bei Mahlzeiten, Körperpflege und anderen Alltagssituationen
  • Beobachtung der Entwicklung und des Verhaltens von Kindern
  • Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte bei der Gestaltung des Tagesablaufs
  • Mitwirkung bei der Gestaltung einer kindgerechten Lern- und Spielumgebung
  • Kommunikation mit Kolleg:innen und gegebenenfalls mit Eltern und Erziehungsberechtigten
  • Reflexion der eigenen Praxiserfahrungen im Rahmen der Ausbildung

Arbeitsorte und Branchen

  • Kinderkrippen für jüngere Kinder
  • Kindergärten und Kindertageseinrichtungen
  • Kinderhorte und Einrichtungen für Schulkinder
  • Häuser für Kinder mit unterschiedlichen Altersgruppen
  • Kinderheime und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
  • schulvorbereitende Einrichtungen
  • weitere sozialpädagogische Einrichtungen, die mit einer Berufsfachschule kooperieren

Voraussetzungen für die Ausbildung

Für die reguläre Kinderpflegeausbildung in Bayern ist grundsätzlich ein erfolgreicher Abschluss der Mittelschule erforderlich. Hinzu kommen ausreichende Deutschkenntnisse und weitere schulrechtliche Voraussetzungen. Bei KiPrax kommt eine Besonderheit hinzu: Bewerber:innen benötigen neben der schulischen Aufnahme auch einen Vertrag über den integrierten Praxisanteil mit einem kooperierenden Träger einer sozialpädagogischen Einrichtung.

Die konkrete Organisation der Aufnahme kann sich je nach Berufsfachschule und kooperierendem Träger unterscheiden. Deshalb sollten Bewerber:innen frühzeitig prüfen, welche Berufsfachschulen KiPrax anbieten und welche Praxisplätze zur Verfügung stehen.

Für die Arbeit mit Kindern sind neben schulischen Voraussetzungen vor allem persönliche Eigenschaften wichtig. Kinderpfleger:innen verbringen einen großen Teil ihres Arbeitsalltags in direktem Kontakt mit Kindern und müssen sich auf unterschiedliche Bedürfnisse, Entwicklungsstände und Situationen einstellen können.

Wichtige Fähigkeiten und Interessen

  • Freude an der Arbeit mit Kindern und Interesse an ihrer Entwicklung
  • Einfühlungsvermögen und Geduld
  • Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit
  • Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit
  • Kreativität für Spiel-, Gestaltungs- und Bildungsangebote
  • Belastbarkeit und Flexibilität im pädagogischen Alltag
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und aus Erfahrungen zu lernen
  • Interesse an Pädagogik, Psychologie und kindlicher Entwicklung
  • Respekt gegenüber unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnissen von Kindern und Familien

Hilfreiche Schulfächer

  • Deutsch: wichtig für Kommunikation, Dokumentation und den Austausch mit Kindern, Kolleg:innen und Eltern
  • Sozialkunde: hilfreich für das Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge und unterschiedlicher Lebenswelten
  • Biologie: unterstützt das Verständnis von Entwicklung, Gesundheit und Körper des Menschen
  • Kunst und Werken: hilfreich für kreative Angebote und die Gestaltung von Materialien
  • Musik: kann für Lieder, rhythmische Angebote und musikalische Aktivitäten mit Kindern nützlich sein

Ausbildungsinfos

Die Kinderpflegeausbildung mit erhöhtem Praxisanteil ist eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Kinderpflege. Anders als bei einer klassischen dualen Berufsausbildung gibt es keinen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb im herkömmlichen Sinn. Bei KiPrax schließen die Schüler:innen jedoch einen Vertrag über die Durchführung des integrierten Praxisanteils mit einem kooperierenden Träger einer sozialpädagogischen Einrichtung ab.

Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung liegt bei der Berufsfachschule. Lehrkräfte begleiten die praktische Ausbildung und koordinieren die Verbindung zwischen Schule und Praxisstelle. Dadurch sollen die im Unterricht erworbenen Kenntnisse gezielt im pädagogischen Alltag angewendet und vertieft werden.

Dauer und Ablauf der Ausbildung

Die KiPrax-Ausbildung dauert in Vollzeit zwei Schuljahre. Eine Teilzeitausbildung ist im Rahmen des Schulversuchs nicht vorgesehen. Die konkrete zeitliche Organisation kann von der jeweiligen Berufsfachschule festgelegt werden. Möglich sind beispielsweise Blockmodelle oder eine Aufteilung von Unterrichts- und Praxistagen.

Bei einer Organisation mit Tagesunterricht sieht die aktuelle Regelung einen erhöhten fachpraktischen Anteil vor. Bei einem Blockmodell sind festgelegte Praxisstunden zu absolvieren. In der Praxis gibt es beispielsweise Modelle mit mehreren Schultagen und regelmäßigen Praxistagen in einer Kindertageseinrichtung. Die genaue Verteilung sollten Interessierte bei der jeweiligen Berufsfachschule erfragen.

Die praktische Ausbildung beginnt bereits im ersten Schuljahr. Zu Beginn steht häufig das Kennenlernen der Einrichtung und das Beobachten des pädagogischen Alltags im Vordergrund. Danach übernehmen die Auszubildenden unter Anleitung zunehmend eigene pädagogische, pflegerische und hauswirtschaftliche Aufgaben. Die Praxiserfahrungen werden im Unterricht aufgearbeitet und reflektiert.

Was lernt man in der Ausbildung?

  • Grundlagen der Pädagogik und Psychologie
  • Entwicklung von Kindern und Bedeutung unterschiedlicher Entwicklungsphasen
  • Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern
  • Planung und Durchführung altersgerechter Bildungs- und Beschäftigungsangebote
  • Praxis- und Methodenlehre
  • Gesundheit und Ökologie
  • Medienerziehung und sinnvoller Einsatz digitaler und analoger Medien
  • Werkerziehung und Gestaltung
  • Grundlagen der Religionspädagogik
  • pflegerische und hauswirtschaftliche Tätigkeiten im pädagogischen Alltag
  • Beobachtung und Reflexion pädagogischer Situationen
  • Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften und anderen Mitarbeiter:innen
  • Entwicklung einer eigenen beruflichen Identität

Ein wichtiger Bestandteil von KiPrax ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Die Teilnehmer:innen sollen nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern lernen, dieses Wissen in konkreten Situationen mit Kindern anzuwenden. Die praktische Tätigkeit wird deshalb entsprechend dem Ausbildungsplan der Schule begleitet und fachlich angeleitet.

Gehalt in der Ausbildung und danach

Eine Besonderheit beim Gehalt Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d) ist, dass im Rahmen des Schulversuchs eine Vergütung für den integrierten Praxisanteil vorgesehen ist. Die Zahlung erfolgt durch den Träger der sozialpädagogischen Einrichtung. Anders als bei einer bundesweit einheitlich geregelten dualen Ausbildungsvergütung gibt es jedoch keinen einheitlichen Betrag für alle KiPrax-Plätze.

Die Höhe der Vergütung wird im Vertrag mit dem jeweiligen Träger geregelt. Sie kann deshalb je nach Einrichtung und Träger unterschiedlich ausfallen. Zusätzlich können für die schulische Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen nach dem BAföG für Schüler:innen infrage kommen.

Ausbildungsvergütung

Ausbildungsjahr Vergütung
1. Jahr Vergütung für den Praxisanteil, Höhe abhängig vom Träger und Vertrag
2. Jahr Vergütung für den Praxisanteil, Höhe abhängig vom Träger und Vertrag

Als konkretes Beispiel wird von einzelnen Trägern eine monatliche Vergütung von rund 510 Euro für das erste und zweite Ausbildungsjahr angeboten. Dieser Betrag ist jedoch kein allgemein gültiger KiPrax-Tarif. Für Bewerber:innen ist deshalb entscheidend, die Vergütung bereits vor Abschluss des Praxisvertrags konkret mit dem jeweiligen Träger zu klären.

Nach dem erfolgreichen Abschluss erhalten Absolvent:innen die Berufsbezeichnung staatlich geprüfte Kinderpflegerin beziehungsweise staatlich geprüfter Kinderpfleger. Das Einkommen im späteren Berufsleben hängt unter anderem vom Arbeitgeber, der Berufserfahrung, dem Tätigkeitsbereich und einer möglichen Tarifbindung ab. Öffentliche und viele freigemeinnützige Träger orientieren sich an Tarifverträgen, sodass sich die Vergütung nach tariflichen Entgeltgruppen und Erfahrungsstufen richten kann.

Karriere und Zukunft

Die Karriere als Kinderpfleger:in kann nach dem Berufsabschluss in unterschiedlichen Einrichtungen der Kinderbetreuung und Kinder- und Jugendhilfe beginnen. Kinderpfleger:innen arbeiten überwiegend als unterstützende pädagogische Kräfte und übernehmen gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften Verantwortung für den Alltag der Kinder.

Die beruflichen Perspektiven sind insbesondere dort interessant, wo Betreuungsangebote für Kinder benötigt werden. In Bayern besteht weiterhin ein Bedarf an pädagogischen Fach- und Ergänzungskräften. Die Kinderpflege kann deshalb einen praxisnahen Einstieg in das sozialpädagogische Arbeitsfeld ermöglichen.

Für viele Absolvent:innen ist der Berufsabschluss zugleich ein Schritt auf dem Weg zu einer weiterführenden Qualifikation. Wer später stärker pädagogische Verantwortung übernehmen möchte, kann beispielsweise eine Ausbildung zur Erzieher:in anstreben.

Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Weiterbildung zur Erzieher:in an einer Fachakademie für Sozialpädagogik
  • Qualifizierungen für bestimmte pädagogische Tätigkeitsbereiche
  • Fortbildungen zu frühkindlicher Bildung und Entwicklung
  • Weiterbildungen in den Bereichen Inklusion und besondere Förderbedarfe
  • Fortbildungen zu Sprachförderung, Bewegung, Musik oder kreativer Pädagogik
  • Weiterbildungen im Bereich Kinderschutz und pädagogische Qualität
  • bei entsprechenden Voraussetzungen der Erwerb weiterer schulischer Abschlüsse

Mit dem erfolgreichen Abschluss der Kinderpflegeausbildung und einem gegebenenfalls zusätzlich erworbenen mittleren Schulabschluss können sich weitere Bildungswege eröffnen. Dazu zählt insbesondere der Übergang in die Erzieherausbildung. Auch der Besuch einer Berufsoberschule kann unter den entsprechenden Voraussetzungen ein Weg zu einer Hochschulzugangsberechtigung sein.

Passt der Beruf zu dir?

Die Ausbildung Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d) passt besonders zu Schüler:innen, die gerne mit Kindern arbeiten, Verantwortung übernehmen und pädagogische Zusammenhänge verstehen möchten. Wer einen Beruf sucht, bei dem sich schulisches Lernen früh mit praktischen Erfahrungen verbinden lässt, findet mit KiPrax eine besondere Ausbildungsform.

Wichtig ist, dass die Arbeit mit Kindern nicht nur aus Spielen und kreativen Aktivitäten besteht. Kinderpfleger:innen benötigen Geduld, Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, auch pflegerische, organisatorische und hauswirtschaftliche Aufgaben zu übernehmen. Der Alltag kann körperlich und emotional anspruchsvoll sein und erfordert eine zuverlässige Zusammenarbeit mit Kolleg:innen.

Wer sich für die Voraussetzungen Kinderpfleger – Schulversuch KiPrax (m/w/d), die Aufgaben und das spätere Berufsfeld interessiert, sollte außerdem frühzeitig nach einer geeigneten Berufsfachschule und einem passenden Praxisplatz suchen. Denn der KiPrax-Schulversuch verbindet beide Lernorte eng miteinander. Wer Theorie und Praxis miteinander verbinden möchte und eine Tätigkeit im sozialpädagogischen Bereich anstrebt, kann mit dieser Ausbildung einen praxisnahen Einstieg in die Kinderbetreuung und zugleich eine gute Grundlage für weitere pädagogische Qualifikationen erhalten.

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