Ausbildung als Steuerfachangestellte (m/w/d): Aufgaben, Gehalt und Karriere

Die Ausbildung zur Steuerfachangestellten (m/w/d) ist eine dreijährige duale Berufsausbildung im Bereich der Freien Berufe. Steuerfachangestellte unterstützen Steuerberater:innen und andere steuerberatende Fachkräfte bei der Betreuung von Mandant:innen. Sie bearbeiten Buchführungen, Steuererklärungen und Lohnabrechnungen, prüfen Steuerbescheide und wirken an Jahresabschlüssen mit.

Der Beruf verbindet Steuerrecht, Rechnungswesen, Wirtschaft und digitale Büroarbeit. Ein großer Teil der Tätigkeit findet am Computer statt. Dabei werden Buchhaltungs- und Steuerprogramme genutzt, Belege digital verarbeitet und steuerliche Sachverhalte anhand aktueller gesetzlicher Vorschriften beurteilt.

Für Schüler:innen, die sich für Zahlen, wirtschaftliche Zusammenhänge und rechtliche Regeln interessieren und gleichzeitig gerne mit Menschen kommunizieren, kann der Beruf eine interessante berufliche Perspektive bieten. Die Ausbildungsordnung wurde zum 1. August 2023 modernisiert. Dadurch wurden insbesondere digitale Arbeitsprozesse sowie Kommunikations- und Beratungskompetenzen stärker berücksichtigt.

Berufsbild: Was macht man als Steuerfachangestellte (m/w/d)?

Steuerfachangestellte arbeiten in erster Linie in Steuerberatungskanzleien. Dort unterstützen sie Steuerberater:innen bei der Bearbeitung steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Aufgaben. Zu den Mandant:innen können Privatpersonen, Unternehmen, Selbstständige, Freiberufler:innen sowie Betriebe aus unterschiedlichen Branchen gehören.

Der Arbeitsalltag besteht aus einer Kombination aus konzentrierter Büroarbeit, digitaler Datenverarbeitung, rechtlichen Recherchen und Kommunikation. Steuerfachangestellte erfassen beispielsweise Belege und Geschäftsvorgänge, bearbeiten Buchführungen oder bereiten Steuererklärungen vor. Gleichzeitig müssen sie Fristen überwachen und darauf achten, dass Unterlagen vollständig und korrekt bearbeitet werden.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem der Kontakt mit Mandant:innen, Finanzämtern, Sozialversicherungsträgern und anderen Institutionen. Je nach Arbeitsplatz können Steuerfachangestellte Auskünfte erteilen, Unterlagen anfordern, Termine koordinieren oder Rückfragen zu steuerlichen Sachverhalten klären.

Typische Aufgaben

  • Bearbeiten von Finanzbuchführungen für Mandant:innen
  • Erfassen und Prüfen von Rechnungen, Belegen und Kontoauszügen
  • Kontieren und Buchen von Geschäftsvorgängen
  • Vorbereiten und Bearbeiten von Steuererklärungen
  • Unterstützen bei Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuerangelegenheiten
  • Prüfen von Steuerbescheiden
  • Vorbereiten von Einsprüchen und weiteren Unterlagen nach fachlicher Vorgabe
  • Erstellen von Lohn- und Gehaltsabrechnungen
  • Unterstützen bei der Erstellung von Jahresabschlüssen
  • Bearbeiten von Geschäftskorrespondenz
  • Kommunizieren mit Mandant:innen und Behörden
  • Überwachen von steuerlichen und organisatorischen Fristen
  • Verwalten und Archivieren von Dokumenten und Akten
  • Recherchieren zu steuerrechtlichen Vorschriften
  • Arbeiten mit Buchführungs-, Steuer- und Bürosoftware
  • Vorbereiten von Unterlagen für Besprechungen und Beratungstermine
  • Beachten von Datenschutz und Verschwiegenheit

Arbeitsorte und Branchen

  • Steuerberatungskanzleien
  • Steuerberatungsgesellschaften
  • Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit entsprechenden Tätigkeitsbereichen
  • Unternehmen mit eigenen Steuer- oder Finanzabteilungen
  • Buchhaltungs- und betriebswirtschaftliche Dienstleistungsbereiche
  • Einrichtungen und Organisationen mit steuerlichen oder kaufmännischen Aufgaben

Der klassische Arbeitsplatz befindet sich in einem Büro oder einer digital ausgestatteten Kanzlei. Viele Arbeitsvorgänge werden inzwischen elektronisch erledigt. Dazu gehören beispielsweise die digitale Übermittlung von Steuererklärungen, elektronische Belegverarbeitung und digitale Kommunikation mit Mandant:innen und Behörden.

Die Tätigkeit erfordert eine hohe Verlässlichkeit, weil steuerliche Angelegenheiten häufig mit verbindlichen Fristen verbunden sind. Fehler bei Buchungen, Berechnungen oder der Bearbeitung von Unterlagen können Auswirkungen auf die steuerlichen Angelegenheiten von Mandant:innen haben. Deshalb sind Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein wichtige Bestandteile des Berufs.

Voraussetzungen für die Ausbildung

Für die Ausbildung Steuerfachangestellte (m/w/d) ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Ausbildungsbetriebe und Kanzleien können jedoch eigene Anforderungen an Bewerber:innen stellen. In der Praxis können insbesondere gute Kenntnisse in Mathematik, Deutsch und wirtschaftlichen beziehungsweise rechtlichen Themen hilfreich sein.

Wichtig ist außerdem die Bereitschaft, sich kontinuierlich mit neuen Vorschriften zu beschäftigen. Das Steuerrecht verändert sich regelmäßig. Steuerfachangestellte müssen deshalb bereit sein, ihr Wissen während der Ausbildung und später im Berufsleben laufend zu aktualisieren.

Die Bezeichnung des Berufs legt nahe, dass ausschließlich mit Zahlen gearbeitet wird. Tatsächlich gehört aber auch Kommunikation mit Mandant:innen zu den Aufgaben. Wer sich für den Beruf interessiert, sollte daher sowohl Freude an sorgfältiger Sachbearbeitung als auch an professioneller Kommunikation mitbringen.

Wichtige Fähigkeiten und Interessen

  • Zahlenverständnis und Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen
  • Sorgfältige und genaue Arbeitsweise
  • Verantwortungsbewusstsein beim Umgang mit vertraulichen Daten
  • Interesse an Steuerrecht und gesetzlichen Regelungen
  • Kommunikationsfähigkeit im Kontakt mit Mandant:innen
  • Kunden- und Serviceorientierung
  • Gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit
  • Organisationsfähigkeit und zuverlässiges Fristenmanagement
  • Konzentrationsfähigkeit bei längeren und komplexen Aufgaben
  • Interesse an digitalen Anwendungen und Bürosoftware
  • Lernbereitschaft aufgrund regelmäßiger Änderungen im Steuerrecht
  • Teamfähigkeit bei der Zusammenarbeit mit Steuerberater:innen und Kolleg:innen
  • Diskretion und sorgfältiger Umgang mit personenbezogenen und wirtschaftlichen Informationen
  • Flexibilität beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Mandant:innen und Aufgaben

Hilfreiche Schulfächer

  • Mathematik für Berechnungen, Konten und steuerliche Sachverhalte
  • Wirtschaft zum Verständnis kaufmännischer Abläufe und betrieblicher Zusammenhänge
  • Recht für den Umgang mit gesetzlichen Regelungen und rechtlichen Grundlagen
  • Deutsch für schriftliche Kommunikation und den Kontakt mit Mandant:innen und Behörden
  • Informatik für den sicheren Umgang mit digitalen Anwendungen und Software

Gute Noten in diesen Fächern können bei der Bewerbung hilfreich sein, sind aber nicht das einzige Kriterium. Auch praktische Erfahrungen, beispielsweise durch ein Schulpraktikum in einer Steuerberatungskanzlei, können Bewerber:innen einen realistischen Einblick in den Berufsalltag geben.

Ausbildungsinfos

Die Ausbildung zur Steuerfachangestellten (m/w/d) dauert drei Jahre und ist dual organisiert. Auszubildende lernen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Zuständig für die Berufsausbildung sind im Bereich der Freien Berufe die jeweiligen Steuerberaterkammern.

Die Ausbildung wurde 2023 modernisiert. Dabei wurden die Ausbildungsinhalte an die zunehmende Digitalisierung der Steuerberatung und Finanzverwaltung angepasst. Auch die Kommunikation und Betreuung von Mandant:innen nimmt einen wichtigen Platz ein.

Dauer und Ablauf der Ausbildung

Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt 36 Monate. Im Ausbildungsbetrieb lernen Auszubildende die praktische Bearbeitung steuerlicher und kaufmännischer Aufgaben. In der Berufsschule werden die fachtheoretischen Grundlagen vermittelt.

Zu Beginn der Ausbildung stehen grundlegende Kenntnisse über Büroorganisation, Rechnungswesen, Buchführung, Steuerrecht und wirtschaftliche Zusammenhänge im Mittelpunkt. Mit zunehmender Ausbildungsdauer werden die Aufgaben komplexer. Auszubildende übernehmen immer mehr Verantwortung bei Buchführungen, Steuererklärungen, Lohnabrechnungen und Jahresabschlussarbeiten.

Die Ausbildung beinhaltet eine Zwischenprüfung sowie eine Abschlussprüfung. Die modernisierte Prüfungsordnung sieht unterschiedliche Prüfungsbereiche vor, darunter steuerrechtliche Sachverhalte, Finanzbuchführungen, Entgeltabrechnungen und Jahresabschlüsse sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.

Nach erfolgreichem Abschluss dürfen Absolvent:innen die Berufsbezeichnung Steuerfachangestellte:r führen. Anschließend können sie in Steuerberatungskanzleien oder anderen geeigneten Bereichen des Rechnungswesens und Steuerwesens arbeiten.

Was lernt man in der Ausbildung?

  • Grundlagen des Steuerrechts und der Abgabenordnung
  • Grundlagen des Wirtschafts- und Sozialrechts
  • Organisation von Arbeitsabläufen in Steuerberatungskanzleien
  • Mandant:innen professionell betreuen und kommunizieren
  • Finanzbuchführungen bearbeiten
  • Geschäftsvorgänge kontieren und buchen
  • Belege und andere Buchführungsunterlagen prüfen
  • Steuererklärungen vorbereiten und bearbeiten
  • Steuerliche Sachverhalte beurteilen
  • Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen
  • Sozialversicherungsrechtliche Grundlagen berücksichtigen
  • Jahresabschlüsse vorbereiten und bearbeiten
  • Steuerbescheide prüfen
  • Fristen und Termine überwachen
  • Mit Finanzbehörden und anderen Institutionen kommunizieren
  • Digitale Steuer- und Buchführungssysteme einsetzen
  • Elektronische Dokumente und Daten sicher verarbeiten
  • Datenschutz und Verschwiegenheit beachten
  • Aktuelle steuerrechtliche Änderungen recherchieren und berücksichtigen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt inzwischen auf digitalisierten Arbeitsprozessen. Moderne Kanzleien nutzen elektronische Belegsysteme, digitale Buchführung, Steuerdatenbanken und spezielle Fachsoftware. Deshalb gehört ein sicherer Umgang mit digitalen Werkzeugen zunehmend zum beruflichen Alltag.

Gehalt in der Ausbildung und danach

Das Gehalt als Steuerfachangestellte (m/w/d) hängt unter anderem vom Bundesland, der Kanzlei, der Größe des Ausbildungsbetriebs und einer möglichen tariflichen oder kammerbezogenen Vergütungsregelung ab. Die Ausbildungsvergütung ist deshalb nicht bundesweit einheitlich.

Die Bundesagentur für Arbeit nennt für 2026 beispielhafte monatliche Ausbildungsvergütungen von 1.000 bis 1.400 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 1.100 bis 1.450 Euro im zweiten Ausbildungsjahr und 1.200 bis 1.500 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Die tatsächliche Vergütung kann davon abweichen.

Ausbildungsvergütung

Ausbildungsjahr Beispielhafte monatliche Vergütung
1. Jahr 1.000 bis 1.400 Euro brutto
2. Jahr 1.100 bis 1.450 Euro brutto
3. Jahr 1.200 bis 1.500 Euro brutto

Das Einkommen nach der Ausbildung lässt sich ebenfalls nicht durch einen einzigen bundesweit gültigen Betrag beschreiben. Unterschiede entstehen durch Berufserfahrung, Region, Größe und Spezialisierung des Arbeitgebers sowie durch zusätzliche Qualifikationen. Auch die Tätigkeit in einer Steuerberatungskanzlei unterscheidet sich hinsichtlich Vergütung und Aufgaben von einer Tätigkeit in einem Unternehmen mit eigener Steuer- oder Finanzabteilung.

Mit zunehmender Berufserfahrung und zusätzlichen Qualifikationen können sich die beruflichen Aufgaben erweitern. Wer beispielsweise zusätzliche Fachkenntnisse in Lohnabrechnung, Finanzbuchhaltung, Digitalisierung oder bestimmten steuerlichen Bereichen erwirbt, kann sein Tätigkeitsprofil entsprechend ausbauen.

Karriere und Zukunft

Die Karriere als Steuerfachangestellte (m/w/d) kann über verschiedene Weiterbildungswege fortgesetzt werden. Nach der Ausbildung ist zunächst die Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeitsbereiche möglich. Dazu zählen beispielsweise Finanzbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung oder bestimmte steuerliche Fachgebiete.

Ein wichtiger Karriereweg führt über berufliche Weiterbildungen. Steuerfachangestellte können sich beispielsweise zu Fachassistent:innen oder Steuerfachwirt:innen weiterqualifizieren. Unter bestimmten Voraussetzungen kann langfristig auch der Weg zum Steuerberaterberuf offenstehen.

Die Digitalisierung verändert den Beruf, ersetzt aber nicht alle fachlichen Aufgaben. Automatisierte Buchungsprozesse und elektronische Datenverarbeitung können Routinearbeiten erleichtern. Gleichzeitig gewinnen Kenntnisse in digitaler Steuerberatung, Datenprüfung, Kommunikation und fachlicher Beurteilung an Bedeutung.

Da Steuerrecht und wirtschaftliche Rahmenbedingungen regelmäßig verändert werden, bleibt lebenslanges Lernen ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Entwicklung. Wer sich fachlich weiterbildet und digitale Anwendungen sicher beherrscht, kann sein Tätigkeitsfeld entsprechend erweitern.

Weiterbildungsmöglichkeiten

  • Steuerfachwirt:in als weiterführende Qualifikation im Steuerwesen
  • Fachassistent:in Lohn und Gehalt
  • Fachassistent:in Rechnungswesen und Controlling
  • Fachassistent:in Digitalisierung und IT-Prozesse
  • Weiterbildungen im Bereich Finanzbuchhaltung
  • Weiterbildungen im Steuerrecht
  • Spezialisierungen auf Lohn- und Gehaltsabrechnung
  • Qualifizierungen für digitale Steuerberatung und Kanzleisoftware
  • Weiterbildungen in Rechnungswesen und Controlling
  • Unter bestimmten Voraussetzungen die Weiterentwicklung in Richtung Steuerberater:in

Auch ein Studium kann nach einer Ausbildung und entsprechender Hochschulzugangsberechtigung infrage kommen. Mögliche Studienrichtungen sind beispielsweise Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Betriebswirtschaftslehre oder Wirtschaftswissenschaften. Welche Zugangsmöglichkeiten bestehen, hängt von der jeweiligen Hochschule und der individuellen Vorbildung ab.

Passt der Beruf zu dir?

Die Ausbildung zur Steuerfachangestellten (m/w/d) kann zu Schüler:innen passen, die gerne mit Zahlen arbeiten, wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen möchten und Interesse an Recht und Steuern haben. Ebenso wichtig sind Genauigkeit, Konzentrationsfähigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit vertraulichen Informationen.

Der Beruf ist nicht nur eine Tätigkeit mit Zahlen. Steuerfachangestellte kommunizieren regelmäßig mit Mandant:innen, Kolleg:innen, Steuerberater:innen und Behörden. Wer Freude an strukturierter Büroarbeit und gleichzeitig am Kontakt mit Menschen hat, findet hier unterschiedliche Aufgabenbereiche.

Interessant ist der Beruf außerdem für Schüler:innen, die eine duale Ausbildung mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten suchen. Die modernisierte Ausbildung berücksichtigt digitale Arbeitsprozesse und vermittelt Kenntnisse, die für die heutige Steuerberatung relevant sind.

Wer sich für eine Bewerbung interessiert, sollte vorab möglichst einen realistischen Einblick in eine Steuerberatungskanzlei erhalten. Ein Praktikum kann zeigen, wie der tatsächliche Arbeitsalltag aussieht und ob die Kombination aus Steuerrecht, Buchführung, digitaler Büroarbeit, Fristen und Mandant:innenkontakt den eigenen Interessen entspricht.

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