Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d): Aufgaben, Gehalt und Karriere

Das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) verbindet ein wissenschaftliches Bachelorstudium mit einer anerkannten Berufsausbildung. Studierende erwerben damit zwei Qualifikationen: einen Bachelorabschluss und einen staatlich beziehungsweise kammerrechtlich anerkannten Ausbildungsabschluss. Welche Berufsausbildung integriert wird, hängt vom jeweiligen Hochschul- und Unternehmensmodell ab. Häufig kommen beispielsweise Fachinformatiker:in, Kaufmann:Kauffrau für Digitalisierungsmanagement oder Kaufmann:Kauffrau für IT-System-Management infrage.

Das Studium richtet sich an Schüler:innen, die sich sowohl für Informatik und digitale Technologien als auch für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge interessieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Unternehmen mithilfe von Software, Daten, IT-Systemen und digitalen Prozessen effizienter und zukunftsfähig arbeiten können.

Das Verbundstudium unterscheidet sich vom klassischen dualen Studium mit vertiefter Praxis dadurch, dass zusätzlich eine vollständige Berufsausbildung absolviert wird. Dadurch entsteht eine besonders enge Verbindung von Hochschule, Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Je nach Hochschule und Modell dauert das Verbundstudium meist etwa vier bis fünf Jahre.

Berufsbild: Was macht man im Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d)?

Wirtschaftsinformatiker:innen arbeiten an der Schnittstelle zwischen Informatik und Betriebswirtschaft. Sie analysieren Geschäftsprozesse, entwickeln oder betreuen IT-Lösungen und unterstützen Unternehmen bei der Digitalisierung. Dabei geht es nicht nur um Programmierung. Ebenso wichtig sind betriebswirtschaftliche Anforderungen, Projektmanagement, Datenanalyse, IT-Sicherheit und die Kommunikation mit verschiedenen Fachabteilungen.

Während des Verbundstudiums werden theoretische Inhalte der Hochschule unmittelbar mit praktischen Erfahrungen im Unternehmen verbunden. Studierende können beispielsweise an Softwareprojekten mitarbeiten, Datenbanken betreuen, Geschäftsprozesse analysieren oder digitale Anwendungen entwickeln. Die konkreten Aufgaben hängen vom Praxispartner und vom integrierten Ausbildungsberuf ab.

In vielen Unternehmen sind Wirtschaftsinformatiker:innen außerdem dafür zuständig, zwischen technischen und kaufmännischen Bereichen zu vermitteln. Sie müssen daher technische Sachverhalte verständlich erklären und gleichzeitig wirtschaftliche Anforderungen berücksichtigen.

Typische Aufgaben

  • Analyse und Optimierung betrieblicher Geschäftsprozesse
  • Planung, Entwicklung und Einführung digitaler Lösungen
  • Unterstützung bei der Entwicklung und Betreuung von Software
  • Arbeit mit Datenbanken, Informationssystemen und Unternehmenssoftware
  • Analyse von Daten und Aufbereitung von Informationen für betriebliche Entscheidungen
  • Unterstützung bei der Digitalisierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen
  • Mitwirkung in IT- und Digitalisierungsprojekten
  • Planung und Dokumentation von Projektabläufen
  • Unterstützung bei Auswahl, Einführung und Betreuung von IT-Systemen
  • Beratung von Fachabteilungen bei technischen und digitalen Fragestellungen
  • Beachtung von Datenschutz, IT-Sicherheit und rechtlichen Anforderungen
  • Kommunikation zwischen IT, Management und anderen Unternehmensbereichen

Arbeitsorte und Branchen

  • IT-Unternehmen und Softwareunternehmen
  • Industrie- und Produktionsunternehmen
  • Handels- und Dienstleistungsunternehmen
  • Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen
  • Logistik- und Verkehrsunternehmen
  • Unternehmen mit großen IT- und ERP-Systemen
  • öffentliche Verwaltungen und öffentliche Unternehmen
  • Beratungsunternehmen für Digitalisierung und IT
  • Entwicklungs-, Projekt- und IT-Abteilungen größerer Unternehmen

Voraussetzungen für das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d)

Für ein Verbundstudium Wirtschaftsinformatik wird in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung benötigt. Dazu gehören insbesondere das Abitur oder die Fachhochschulreife. Je nach Hochschule können weitere Zulassungsbedingungen gelten. Zusätzlich benötigen Bewerber:innen einen passenden Ausbildungs- beziehungsweise Praxisvertrag mit einem Unternehmen.

Da das Verbundstudium gleichzeitig Studium und Berufsausbildung umfasst, ist die Belastung höher als bei einer einzelnen Ausbildung oder einem klassischen Studium. Gute Selbstorganisation, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen sind deshalb besonders wichtig.

Eine ausgeprägte Begeisterung für Programmierung ist nicht zwingend erforderlich. Hilfreich sind jedoch Interesse an digitalen Technologien, logisches Denken und die Bereitschaft, sich mit mathematischen, technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Wichtige Fähigkeiten und Interessen

  • Interesse an Informatik, Digitalisierung und modernen Technologien
  • Interesse an Betriebswirtschaft und Unternehmensprozessen
  • Logisches und analytisches Denkvermögen
  • Freude am Lösen komplexer Probleme
  • Interesse an Software, Daten und IT-Systemen
  • Gute Selbstorganisation und Zeitmanagement
  • Kommunikationsfähigkeit im Austausch mit unterschiedlichen Fachbereichen
  • Sorgfältige und strukturierte Arbeitsweise
  • Bereitschaft, sich kontinuierlich in neue Technologien einzuarbeiten
  • Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein

Hilfreiche Schulfächer

  • Mathematik: für logisches Denken, Statistik und quantitative Methoden
  • Informatik: für Programmierung, Datenverarbeitung und technische Grundlagen
  • Wirtschaft: für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und Unternehmensprozesse
  • Englisch: für Fachliteratur, Software, technische Dokumentationen und internationale Kommunikation
  • Deutsch: für Präsentationen, Dokumentationen und verständliche Kommunikation

Ausbildungsinfos

Das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik ist kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern ein ausbildungsintegrierendes duales Studium. Es verbindet eine reguläre Berufsausbildung mit einem Bachelorstudium. Deshalb gibt es in der Regel mehrere Lernorte: den Ausbildungsbetrieb, die Berufsschule und die Hochschule.

Der konkrete Ablauf unterscheidet sich je nach Hochschule, Ausbildungsberuf und Unternehmen. Häufig beginnt das Verbundstudium zunächst mit einer Ausbildungsphase im Betrieb. Nach etwa einem Jahr startet zusätzlich das Hochschulstudium. Ausbildung und Studium laufen anschließend parallel beziehungsweise werden organisatorisch miteinander verzahnt.

Am Ende stehen zwei Abschlüsse. Neben dem Bachelor of Science (B.Sc.) wird ein anerkannter Berufsabschluss erworben. Je nach Modell erfolgt die Berufsabschlussprüfung beispielsweise vor der Industrie- und Handelskammer.

Dauer und Ablauf des Verbundstudiums

Die Dauer hängt vom konkreten Studienmodell ab. An Hochschulen in Bayern werden für Verbundstudiengänge Wirtschaftsinformatik beispielsweise Modelle mit einer Gesamtdauer von etwa vier bis fünf Jahren angeboten. Andere Hochschulen organisieren die Ausbildung und das Studium über unterschiedliche Semester- und Praxisphasen.

Ein typischer Ablauf beginnt mit der Berufsausbildung im Unternehmen. In dieser Phase lernen Studierende den Ausbildungsbetrieb, die betrieblichen Abläufe und die Grundlagen ihres Ausbildungsberufs kennen. Parallel oder anschließend beginnt das Bachelorstudium. Während der vorlesungsfreien Zeit arbeiten die Studierenden häufig im Unternehmen.

Im weiteren Verlauf wechseln sich Hochschulphasen, Berufsschule und betriebliche Praxis ab. Prüfungen der Berufsausbildung und Hochschulprüfungen müssen dabei zeitlich miteinander koordiniert werden. Die Bachelorarbeit kann häufig in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungs- oder Praxisunternehmen entstehen.

Was lernt man im Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d)?

  • Grundlagen der Informatik und Wirtschaftsinformatik
  • Programmierung und Softwareentwicklung
  • Datenbanken und Datenverarbeitung
  • Mathematik und statistische Methoden
  • Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen
  • Unternehmensorganisation und Geschäftsprozesse
  • Informations- und Kommunikationssysteme
  • Software Engineering und Systementwicklung
  • IT-Sicherheit und Datenschutz
  • Projektmanagement und agile Arbeitsmethoden
  • ERP-Systeme und betriebliche Anwendungssysteme
  • Datenanalyse und digitale Geschäftsmodelle
  • IT- und Wirtschaftsrecht
  • Kommunikation, Präsentation und Teamarbeit

Welche Inhalte im Ausbildungsanteil vermittelt werden, richtet sich nach dem jeweiligen Ausbildungsberuf. Bei einer Kombination mit der Ausbildung Fachinformatiker:in können beispielsweise Softwareentwicklung oder Systemintegration stärker im Mittelpunkt stehen. Bei Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement spielen zusätzlich kaufmännische Prozesse, IT-Beschaffung und digitale Geschäftsprozesse eine wichtige Rolle.

Gehalt im Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) und danach

Das Gehalt im Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) wird in der Regel über das Ausbildungsverhältnis mit dem Unternehmen geregelt. Anders als bei einem klassischen Vollzeitstudium erhalten Studierende im Verbundstudium während der betrieblichen Ausbildung normalerweise eine Ausbildungsvergütung. Die konkrete Höhe hängt unter anderem vom Ausbildungsberuf, Unternehmen, Tarifvertrag, Wirtschaftszweig und Standort ab.

Bei tarifgebundenen Unternehmen kann die Vergütung durch den jeweiligen Tarifvertrag bestimmt werden. Manche Unternehmen zahlen zusätzlich Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Nach dem Abschluss verändert sich die Vergütung deutlich, weil Absolvent:innen dann als akademisch qualifizierte Fachkräfte mit zusätzlichem Berufsabschluss eingesetzt werden können.

Vergütung während des Verbundstudiums

Ausbildungsphase Vergütung
1. Ausbildungsjahr Ausbildungsvergütung nach Ausbildungsberuf, Unternehmen und gegebenenfalls Tarifvertrag
2. Ausbildungsjahr Ausbildungsvergütung nach Ausbildungsberuf, Unternehmen und gegebenenfalls Tarifvertrag
3. Ausbildungsjahr Ausbildungsvergütung nach Ausbildungsberuf, Unternehmen und gegebenenfalls Tarifvertrag

Da das Verbundstudium je nach Modell länger als drei Jahre dauert, kann auch nach Abschluss der Berufsausbildung weiterhin eine vertraglich vereinbarte Vergütung gezahlt werden. In dieser Studienphase gelten jedoch nicht mehr automatisch die Regeln einer Ausbildungsvergütung. Maßgeblich sind dann der Vertrag mit dem Praxispartner und gegebenenfalls tarifliche Regelungen.

Nach dem Abschluss hängt das Gehalt von der konkreten Position ab. Tätigkeiten in Softwareentwicklung, IT-Beratung, Datenanalyse, Prozessmanagement oder IT-Projektmanagement können unterschiedliche Vergütungsstrukturen haben. Auch Berufserfahrung, Unternehmensgröße, Branche und zusätzliche Spezialisierungen beeinflussen das Einkommen.

Karriere und Zukunft

Die Karriere nach dem Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) bietet zahlreiche Möglichkeiten, weil Absolvent:innen sowohl praktische Berufserfahrung als auch einen akademischen Abschluss mitbringen. Sie können in IT-Abteilungen, Fachabteilungen mit hohem Digitalisierungsgrad oder spezialisierten Beratungsunternehmen tätig werden.

Besonders gefragt sind Kenntnisse, die technische und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbinden. Unternehmen benötigen Fachkräfte, die nicht nur Software und IT-Systeme verstehen, sondern auch Geschäftsprozesse analysieren und die Auswirkungen digitaler Lösungen auf Kosten, Organisation und Arbeitsabläufe beurteilen können.

Mit Berufserfahrung können Wirtschaftsinformatiker:innen zunehmend Verantwortung für Projekte, Systeme oder ganze Unternehmensbereiche übernehmen. Je nach persönlicher Spezialisierung sind sowohl technische als auch kaufmännisch-strategische Karrierewege möglich.

Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten

  • Spezialisierung auf Softwareentwicklung und Softwarearchitektur
  • Weiterentwicklung im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz
  • Schwerpunkt Datenanalyse, Data Science oder Business Intelligence
  • Vertiefung in ERP-Systeme und digitale Geschäftsprozesse
  • Spezialisierung auf IT-Projektmanagement
  • Weiterbildung im Bereich Cloud Computing und moderne IT-Infrastrukturen
  • Vertiefung in künstlicher Intelligenz und datengetriebenen Anwendungen
  • Aufbau von Kompetenzen im Prozess- und Digitalisierungsmanagement
  • Masterstudium in Wirtschaftsinformatik, Informatik, Betriebswirtschaft oder einem verwandten Fach

Auch eine spätere Übernahme von Führungsaufgaben ist möglich. Mit Berufserfahrung und geeigneten Zusatzqualifikationen können beispielsweise Positionen als IT-Projektleiter:in, Business Analyst, IT-Consultant, Product Owner oder Digitalisierungsmanager:in infrage kommen. Welche Bezeichnung und Verantwortung eine Stelle umfasst, hängt vom Unternehmen und vom jeweiligen Tätigkeitsbereich ab.

Passt das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) zu dir?

Das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik (m/w/d) kann eine passende Wahl für Schüler:innen sein, die Informatik und Wirtschaft gleichermaßen interessant finden und Theorie direkt in der Praxis anwenden möchten. Besonders geeignet ist das Modell für Bewerber:innen, die sich eine intensive Verbindung von Studium, Berufsausbildung und betrieblicher Arbeit vorstellen können.

Du solltest dich darauf einstellen, dass das Verbundstudium eine hohe Lern- und Arbeitsbelastung mit sich bringt. Neben Hochschulprüfungen müssen auch Anforderungen der Berufsausbildung und des Ausbildungsbetriebs erfüllt werden. Gute Organisation, Eigenständigkeit und Ausdauer sind deshalb wichtige Voraussetzungen.

Ein großer Vorteil ist die Doppelqualifikation aus Hochschulabschluss und anerkanntem Berufsabschluss. Gleichzeitig sammelst du bereits während des Studiums praktische Berufserfahrung. Wenn du dich für digitale Technologien, betriebliche Abläufe, Daten und wirtschaftliche Zusammenhänge interessierst und gerne analytisch arbeitest, kann das Verbundstudium Wirtschaftsinformatik einen anspruchsvollen Einstieg in die digitale Arbeitswelt bieten.

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